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Vom Mechaniker zum Betriebsrat: Samee Ullah setzt sich gegen Ausbeutung in der Lieferbranche ein

01. April 2026

Vom Lieferfahrer zum Betriebsrat: ein persönlicher Kampf gegen Ausbeutung

Als ausgebildeter Triebwerksmechaniker begann Samee Ullahs Weg nach Deutschland mit der Hoffnung, seiner Profession nachgehen zu kšnnen. Stattdessen traf ihn bürokratische Restriktion, Arbeitslosigkeit und die Erfahrung, dass Zertifikate allein nicht reichen, um Teilhabe zu sichern. Aus dieser Frustration entstand politische Arbeit, die ihn schließlich in die Interessenvertretung von Lieferdienstangestellten führte.

Der Weg nach Deutschland und die ersten Hürden

Ullah wurde 1983 in Punjab, Pakistan geboren und absolvierte dort eine Ausbildung zum Triebwerksmechaniker. Ein Arbeitsvisum fšhrte ihn zunächst nach Italien, kurz darauf nach Deutschland. Trotz technischer Qualifikation war ihm das Arbeiten hier lange verwehrt: Als Asylbewerber durfte er nur eingeschränkt tätig sein, musste für jede Stelle eine Genehmigung beantragen und erlebte wiederholt die Härte bürokratischer Schranken. Die Erfahrung, fšr ein Visum erhebliche Summen gezahlt zu haben, während der Zugang zum Arbeitsmarkt blockiert blieb, machte ihn politisch aktiv.

Vom Theaterprojekt zur Gewerkschaftsarbeit

In einer Erstaufnahmegruppe schrieb Ullah Briefe an Angehörige, die später die Grundlage für ein Theaterprojekt bildeten. Die Inszenierung öffnete ihm Türen zu weiteren Initiativen und machte ihn zu einem Stimme für die Situation von Geflüchteten. Die Organisierung und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen legten den Grundstein für sein Engagement gegen prekäre Beschäftigungsformen.

Lieferdienst als Einstieg und Auslöser

Während der Pandemie führte ein Facebook-Post ihn zur Tätigkeit als Fahrer bei einem Lieferdienst. Der Job war pragmatisch attraktiv: flexibel, ohne perfekte Sprachkenntnisse machbar und verlässlich bezahlt. Ullah verdiente damals Mindestlohn plus Zulagen und kam mit Vollzeitarbeit auf rund 1.800 Euro im Monat. Doch der Blick hinter die Kulissen zeigte bald Risiken: ausgelagerte Logistik, kriminell agierende Subunternehmer und Kolleginnen und Kollegen, die über Monate kein Gehalt erhielten.

Vom Fahrer zum Betriebsrat

Aus Empörung über missbräuchliche Praktiken und aus Solidarität mit Betroffenen formte sich der nächste Schritt: Ullah engagierte sich in Protesten, half bei Demonstrationen und übernahm schließlich ein Mandat als Betriebsrat. Die neue Aufgabe ist ihm wichtig, kostet ihn jedoch finanziell: Als Betriebsrat in Vollzeit sind seine Einkünfte deutlich gesunken, da Zulagen und Trinkgelder wegfallen. Dennoch bezeichnet er seine Arbeit nicht nur als Beruf, sondern als Berufung.

Praktische Forderungen und persönlicher Alltag

Ullah plädiert für eine mehrsprachige Arbeitskultur, verpflichtende Sprachförderung finanziert durch Arbeitgeber und eine Einschränkung des Subunternehmersystems. Bei Solidaritätstipps rät er zu realistischen Gesten: Bares Trinkgeld kommt eher bei den Fahrenden an, wichtiger ist jedoch Respekt im Alltag, ein schlichtes «Danke» und kleine Erleichterungen bei der Übergabe von Bestellungen.

Im Betriebsratsbüro, das an die Büros des Managements grenzt, ist Ullah oft Vermittler und Zuhörer. Er macht Kaffee, geht in die Managementküche und nutzt solche Gelegenheiten, um Gespräche zu beginnen. Seine Rolle beschreibt er als Leben zwischen zwei Welten: eines in Deutschland, eines in Pakistan. Die Verantwortung für Familie und die Hoffnung auf eine Rückkehr in den Fahrdienst, falls die Kämpfe erfolgreich sind, bestimmen seine Entscheidungen.

Persönliches

Samee Ullah lebt seit 2013 in Deutschland. In seiner knappen Freizeit kocht er gern; sein Lieblingsgericht ist Biryani. Das Gespräch erschien am 30.03.2026 und ist Teil der Serie «Neue Maloche», in der Menschen zu Wort kommen, die hart arbeiten und oft nicht im medialen Mittelpunkt stehen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: freitag.de

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