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Erst anlocken, dann ausbeuten — Wie Subunternehmen Lieferfahrer in Deutschland wirtschaftlich brechen

03. März 2026

Subunternehmen verwandeln Lieferjobs in eine Schattenwirtschaft ohne Mindestlohn

Fahrradkuriere liefern bei Wind und Wetter Mahlzeiten an Haustüren und Büros — doch viele der jungen Fahrerinnen und Fahrer arbeiten unter prekären Bedingungen. Recherchen zeigen, wie Subunternehmen gezielt Studierende aus Ländern wie Indien, Pakistan und Bangladesch anwerben und sie in Geschäftsmodelle drängen, die gesetzlichen Schutz umgehen.

Häufig landen die Betroffenen an privaten Hochschulen mit hohen Studiengebühren und benötigen deshalb dringend Nebenverdienste. Viele studieren auf Englisch und sprechen kaum Deutsch, wodurch legale Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Subunternehmen nutzen diese Lage gezielt: Sie vermitteln schnelle Jobs, zahlen aber oft nicht nach tatsächlichen Arbeitszeiten und umgehen damit Mindestlohnregelungen.

  • Bezahlung nur für aktive Lieferzeiten, Bereitschaftszeiten bleiben unvergütet
  • Vermittlung über kleine Subfirmen statt direkte Anstellung bei Plattformen
  • Rekrutierung über WhatsApp und informelle Netzwerke in der Nähe von Hochschulen

Der freie Journalist Sascha Lübbe, der monatelang zu diesem Thema recherchiert hat, berichtet von Fällen, in denen Kurierfahrerinnen und Kuriermonate lang kein Geld erhielten. Das System der Ketten von Subunternehmen ist nicht auf Essenslieferungen beschränkt, sondern taucht auch in Bau, Security und Reinigungsdienstleistungen auf.

Die Folge ist eine weitreichende Abhängigkeit: Visa sind oft an einen Studiengang gebunden, hohe Studienkosten führen zu Verschuldung, und zum Abschluss bleiben manche mit wenig anerkannten Qualifikationen zurück. In Städten wie Berlin und Düsseldorf sind die Auswirkungen besonders sichtbar, weil dort viele Kurierinnen und Kurier unterwegs sind.

Welche Änderungen nötig sind

Um Missbrauch zu begrenzen, fordern Experten und Gewerkschaften strengere Kontrollen bei Subvergaben, mehr Personal bei Arbeits- und Sozialkontrollen sowie klare Regeln zur Anrechnung von Bereitschaftszeiten. Auch die bessere Kontrolle privater Bildungseinrichtungen und eine Reform der Visavergabepraxis stehen auf der Agenda. Im Podcast «nah dran» diskutiert Host Andreas Bursche mit Sascha Lübbe mögliche politische Maßnahmen und schildert die Erlebnisse Betroffener.

Der Beitrag ist Teil einer WDR-Recherche zur Ausbeutung von Arbeitsmigrantinnen und arbeitsmigrantischen Beschäftigten in Deutschland. Die Audioaufnahme zur Recherche ist in dem WDR-Podcast verfügbar.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: .wdr.de

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