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Sie kamen zum Studieren und endeten als Kuriere: Wie ein System junge Inder in prekäre Arbeit treibt

29. April 2026

Subunternehmer und Mietdruck treiben Studierende in ausbeuterische Jobs

In Berlin leben viele indische Studierende nicht in Wohngemeinschaften, sondern in einer durchorganisierten Armut. Vermieter, Vermittler und Subunternehmer der Lieferbranche ziehen an einer Kette, die Hoffnung in Schulden verwandelt und junge Menschen in unsichere, schlecht bezahlte Arbeit presst.

An einem Januartag in Berlin‑Reinickendorf klingelte ein Vermieter an der Tür einer knapp 60 Quadratmeter grossen Wohnung und sammelte von fünf der sechs dort lebenden Männer die Monatsmiete ein. Einer von ihnen, Anzal Kareem, zahlte 390 Euro. Der Betrag landete direkt in bar beim Vermieter. Die Szene ist exemplarisch: enge Räume, viele Bewohner, latent drohende Räumungsandrohungen und wenig Schutz vor willkürlichen Forderungen.

Viele der Betroffenen waren mit dem Versprechen nach Deutschland gekommen, hier zu studieren und danach eine berufliche Perspektive zu finden. Private Hochschulen werben weltweit, verlangen hohe Studiengebühren und übermitteln oft falsche Vorstellungen vom Arbeitsmarkt. Die bittere Realität: Wer keinen Anschluss findet, nimmt jede Arbeit an. Für zahlreiche Studierende bedeutet das: Kurier‑ und Lieferdienste, lange Schichten, keine Sozialversicherung und oft Lohnabzüge durch zwischengeschaltete Subunternehmen.

Die Plattformwirtschaft erschwert Kontrollen. Anbieter delegieren Aufträge an Netzwerke von Subunternehmern, die mit fragwürdigen Verträgen arbeiten oder ganz ohne Anmeldung Beschäftigte einsetzen. Behörden treffen auf eine undurchsichtige Struktur; Kontrollen kommen zu spät oder finden gar nicht statt. Die Folge sind Schwarzarbeit, Ausbeutung und ein Klima der Angst unter den Beschäftigten.

Faizal Malik und Anzal Kareem stehen stellvertretend für viele. Beide berichten von Schlafmangel, Dauerstress und Scham. Sie versuchen, ihre Lage zu verbessern, doch die Schuldgefühle gegenüber Familie und die finanziellen Verpflichtungen in der Heimat halten sie gefangen. Trotz der Härten planen manche weiter, andere ziehen die Rückkehr in Erwägung. Viele raten inzwischen potenziellen Kommilitonen ab: Macht nicht den Fehler, hierher zu kommen.

Die Verantwortung liegt bei mehreren Akteuren: bei den Ausbildungsanbietern, die mit falschen Versprechen werben, bei den Plattformen, die Arbeit über Subunternehmer entkoppeln, und bei mangelhaften Kontrollmechanismen. Eine nachhaltige Lösung erfordert klare Regeln für Vermittlungsagenturen, strengere Aufsicht in der Lieferbranche und effektiven Schutz für internationale Studierende.

Bis dahin bleibt für zahlreiche junge Menschen in Berlin die Zukunft unsicher. Zwischen Mietdrohungen, Schichtarbeit und dem Traum von einem besseren Leben versuchen sie, Würde zu bewahren und Perspektiven zu finden.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: zeit.de

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