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Angeworben und abgestoßen: Wie Visa‑Probleme indische Studierende in die Abschiebungsangst treiben

08. März 2026

Visa‑Unsicherheit bedroht Studium und Existenz

Berlin — Aditya Mishra sitzt in einem Café an der Friedrichstraße, die Daunenjacke noch an, und wirkt sichtlich erschüttert. Auf seinem Tisch liegt ein gelber Umschlag: ein Ausreiseaufforderungsschreiben der Ausländerbehörde, zugestellt am 24. Dezember. Noch vor wenigen Monaten hatte Mishra ein normales Studentenleben geführt, jetzt ist er offiziell ausreisepflichtig.

Mishra ist einer von Hunderten Studierenden an der Internationalen Hochschule (IU), deren Visa seit Monaten nicht verlängert werden. Die Mehrzahl der Betroffenen stammt aus Indien. Viele finanzieren ihr Studium und ihren Alltag durch Nebenjobs als Fahrradkurier oder Auslieferer für Plattformen wie Lieferando, Wolt oder Uber Eats. Für sie bedeutet die plötzlich drohende Ausweisung nicht nur das Ende des Studiums, sondern auch den Verlust der Einkommensquelle und einer Zukunftsperspektive in Deutschland.

Der Fall offenbart einen Widerspruch: Während die Berliner Landespolitik aktiv in Indien um Fachkräfte und Studierende wirbt, erhalten viele der Angesprochenen von der Verwaltung Schreiben, die ihre Anwesenheit infrage stellen. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey war im Sommer 2025 mit einer Delegation in Indien, um Fachkräfte für Berlin zu gewinnen. Gleichzeitig erleben viele junge Menschen hier nun, wie die Praxis vor Ort ihre Hoffnungen zerstört.

Betroffene berichten von Existenzangst, hohen Studiengebühren und der täglichen Herausforderung, in prekären Jobs den Lebensunterhalt zu sichern. Die Briefe der Ausländerbehörde treffen Familien und Studienpläne gleichermaßen: Monate des Wartens auf Verlängerungen, Unsicherheit bei Arbeitszeiten und die ständige Sorge um Aufenthaltsrecht und Aufenthaltsstatus.

  • Studium gefährdet: Viele müssen Präsenzveranstaltungen, Prüfungen oder Praxisphasen abbrechen.
  • Finanzielle Belastung: Rückkehr in ein oft deutlich teureres Heimatland, Verlust von Nebenverdiensten.
  • Signalwirkung: Die Fälle wirken wie ein Abschreckungssignal für potenzielle internationale Bewerberinnen und Bewerber.

Studierendenvertretungen und Beratungsstellen fordern schnellere, transparente Verfahren und eine klarere Abstimmung zwischen Anwerbemaßnahmen und aufenthaltsrechtlicher Praxis. Die Betroffenen fordern mehr Schutz und verlässliche Perspektiven, statt kurzfristiger Werbeversprechen.

Aditya Mishra fasst die Stimmung in einem Satz zusammen: «Wir wurden nach Berlin geholt, haben hier investiert und gearbeitet – und stehen nun vor der Ausreiseaufforderung. Das ist Verrat an unseren Erwartungen und an der Idee, dass Berlin eine Stadt der Chancen ist.»

Der Bericht stützt eine Nachricht von: tagesspiegel.de

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